GSX1100F


Die 1100er hatte damals den schnellsten und besten Motor in einer Großserienmaschine zu bieten. Der 1100er Motor ist mit seiner damaligen Ölkühlung, wurde später auf Wasser umgestellt, als unverwüstlicher Langläufer gebaut worden. Der Unterschied zum 1100 R Triebwerk besteht hauptsächlich aus einer geänderten Steuerzeit und modifizierten Vergasern. Die Aufnahme wurde 1995 gemacht und zeigt die Serienausstattung mit Gepäcktaschen und Rolle.

Die Zuverlässigkeit und die Durchzugskraft der Maschine faszinieren mich selbst heute noch. Mittlerweile mit einer MACH SEVEN ausgestattet, läuft die Maschine mit ca. 104 PS knapp 260 Km/h. Selbst mit Gepäck und Sozia sind Reisegeschwindigkeiten von ca. 180 Km/h durchgängig möglich. Die elektrisch verstellbare Tourenscheibe spielt ihre Fähigkeiten selbst bei einem Fahrer mit 190 cm noch voll aus. Leider hat mich eine unvorsichtige Autofahrerin letztens umgefahren. Nun steht gerade ein Neuaufbau an. Die Maschine wurde im Oktober 06, beim Kilometerstand von 56.000 Km durchgecheckt und mit folgenden Teilen wieder fit gemacht:

Neue Standrohre, Valves einstellen, Vergaser einstellen, neuen Kettenkit aufgezogen. Nach ca. 70 Kilometern dann der Crash. Eine neue Verkleidung von Gimbel ist  jetzt drauf, neuer Lack in schwarz - pur, und eine neu bezogene Sitzbank lassen die Maschine wieder wie neu aussehen.

Reisebericht und Erfahrungen:

An einem regnerischen Samstag wurde das Pferd gesattelt. Schon in aller Frühe begann es gleichmässig zu Regnen. Kein Problem wenn man die richtige Kleidung hat. Also rein in die Regenkombi, Packtaschen, Tankrucksack, und Gepäckrolle befestigt, Sozia aufgesessen und los. Gestartet wurde in Krefeld mit Ziel Starnberger See.

Nach kurzer Fahrt zur Autobahn ging es dann im leichten Nieselregen Richtung Siebengebirge auf der A61. Der erste Streckenabschnitt wurde noch von einer gewissen Müdigkeit geprägt, die sich mit aufgehender Sonne flott verflüchtigte. Der erste Tankstopp diente dann auch gleich zur Kontrolle der Befestigung des Gepäcks, das sich keinen Millimeter bewegt hatte.

Nun aber los, und mit etwas mehr Dreh an der Gashand ging es weiter Richtung Darmstadt und flugs zum Stuttgarter Flughafen. Der zwischenzeitlich einsetzende Regen verhinderte zwar eine etwas lockere Kleidung, die Regenkombi kann schon nerven, zeigte sich aber diesmal in keinster Weise hinderlich beim Grip der Pneus (näheres zu der Bereifung weiter unten).

So leise vor sich hindösend wunderte ich mich dann plötzlich über die schleichenden Pkw´s neben mir. Da die Sicht auf das Speedometer durch den Tankrucksack etwas eingeschränkt wurde, musste ich mich kurz strecken und fiel fast vom Moped als ich die Nadel um 220 km/h pendeln sah. Es wurde nun eindeutig Zeit eine grössere Rast einzulegen.

So im nachhinein bleibt nur noch das Gefühl, einen auf Schienen laufenden Reisedampfer bewegt zu haben. Doch sind solche Geschwindigkeiten mit soviel Gepäck und gerade bei Regen nicht ratsam. Hier konnte der starke Rahmen mit eingesetztem Triebwerk brillieren. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl unter Pendeln oder Drehung um die Längsachse zu leiden. Etwas gewöhnungsbedürftig ist da schon das hohe Eigengewicht, das mit Sprit, Öl und Fahrer schnell bei 400 Kg bewegte Masse landet, perfekt zu beherrschen.

Nach gut 7 Stunden, regelmässige Pausen zum Tanken sind bei einemVerbrauch von ca. 7 Litern auf 100 Km sowieso alle zwei Stunden drin, sind wir am Starnbergersee angekommen. Der Verbrauch normalisiert sich beim Touren auf ca. 6 Liter, der bei Top-Speed aber auch schnell auf 20 Liter ansteigen kann. Begeistert hat mich immer schon der Durchzug, der trotz voller Beladung einen Überholvorgang im letzten Gang (5) aus Drehzahlen von ca. 3.000 Umdrehungen heraus jederzeit ermöglicht.

Das Aufsteigen der Verkleidung aus Geschwindigkeiten um 50 Km/h, die übrigens hervorragend vor Fahrtwind, Regen und Wind schützt, ist mit den damals 136 PS kaum zu verhindern gewesen, wenn man eine unruhige Gashand hat. Die heute installierte MACH SEVEN (4 in 1) zeigt hier ein besseres Ansprechverhalten und ebenso eine gleichmässigere Kraftentfaltung. Dies geht allerdings zu Lasten der Leistung, die durch die Modifikation auf ca. 102 PS absinkt.

Für die fragenden Leser unter Euch:

Die Maschine wurde 1990 nur in einer 101 PS Version in Deutschland verkauft. Zum Glück ist die Maschine jedoch im Fahrzeugbrief mit unbeschränkter Leistung eingetragen worden. Eine kurze Recherche ergab das die Drosselung für den deutschen Markt durch Reduzierhülsen im Krümmer- Auslaßtrakt der vier Zylinder umgesetzt wurde. Die Entnahme der Hülsen, manchmal muss hier auch die Frässe angesetzt werden, führt dann zu einer Leistungssteigerung von ca. 27 PS. Das zusätzliche Anpassen der Vergaserbedüsung ermöglicht die volle Leistung von ca. 139 PS bei der R- Ausführung und ca. 136 PS in der F- Serie

Die Region um München bietet geradezu phantastische Areale um auf schnellen Landstrassen (BMW - Teststrecken) und gemütlicher Zuckelei am Ammersee, die Möglichkeiten des Fahrwerks voll auszukosten.

Empfehlenswert ist (allerdings besser mit dem Taxi oder Bus) ein Besuch im Kloster Andechs. Hier gibt es bei Radischraube und Riesenbrezel, das wohl leckerste Starkbier das ein Fass verlassen kann. Die Mönche wissen eben wie es sich gut Leben lässt.

Ein Manko, über das ich mich regelmässig ärgere, sind die Pneus., Die von Metzler geliefert werden und sich bei Nässe und geringem Tempo einfach nicht auf Betriebstemperatur bringen lassen. Hier beginnt nun eine elende Spirale, die sich innerhalb geschlossener Ortschaften und selbst auf Landstrassen nur schwer durchbrechen lässt. Die Gummis sind so dermassen rutschig, das beim Versuch eine angemessene Schräglage zu erreichen, einem der Angstschweiss auf der Stirn steht. Bei entsprechender Zuladung und Geschwindigkeiten um 120 km/h verschwindet der Effekt innerhalb weniger Minuten. Die Decken, ME 33 Laser und ME 55 A Metronic, sind jedoch ideal gebaut für trockenes, warmes Wetter. Man hat das Gefühl auf Schienen zu fahren. Kein Ruckeln und Zuckeln verhindert das Gefühl einer perfekten Symbiose zwischen Fahrer, Motorrad und Asphalt.

Die regelmässig aufschlagende Rechnung für neue Gummis kann die Freude trüben. Die Bereifung hält bei zügiger Gangart ca. 12.000 Km an der Gabel und am Heck ca. 6.000 Km. So ein Besuch beim Reifenhändler deinesVertrauens kostet dann schon so um die 350 € im Mittel. Eine geregelte Kettenpflege kann die Lebensdauer dieses Bauteils auf ca. 15.000 Km verlängern. Etwas moderater angegangen kann sich die Lebensdauer aber auch verdoppeln. Seitdem mein Nachwuchs häufiger mitfährt, teilweise mit Kindersitz(Tochter), teilweise ohne (Sohn), ist der Verschleiß um ca. 40 Prozent zurück gegangen.

Die laufenden Wartungskosten liegen für den geübten Schrauber bei ca. 650 € im Jahr, incl. Verschleißteilen. Der Besuch einer Werkstatt zum Einstellen der Ventile, Steuerkette, und der Vergaser schlägt alle zwei Jahre mit etwa 300 € zu Buche.

Defekte und Ersatzteile:

In den letzten 14 Jahren hatte ich nur einmal ein Problem mit der Maschine. Dies lag ausschliesslich an einem Versorgungsschlauch zwischen Tank und Vergaser, der mit der Zeit abknickt und dann den teuren Saft nicht mehr zum Motor passieren lässt. Soll häufiger vorkommen, hier hilft ein Zubehörteil (Spiralmanschette) über das Problem hinweg.

Die Endschalldämpfer habe ich dann nach 10 Jahren und 48.000 Km gegen die MACH SEVEN getauscht. Die Originalanlage kostet bei Suzuki das Doppelte einer guten 4 in 1.

Vibrationsrisse an der Oberverkleidung, im Bereich der Innenschalenbefestigung am Cockpit, konnte ich mit Kombo- Kleber fixieren.

Als einziges wirklich grosses Ärgerniss habe ich die Befestigung der Serienspiegel empfunden. Diese Dinger sind mir zweimal abgebrochen, was einen teuren Ersatz der Spiegel, die es nur als Set (Halterung und Arm) für ca. 120 € gibt, zur Folge hatte. Mittlerweile habe ich zwei Hondaspiegel montiert, die aus dem Zubehör eines grossen Zubehörlieferanten für 20 € zu erstehen sind. Seitdem habe ich weder Risse noch stärkere Vibrationen bemerkt.

 

GSX 1100 F 1990
Länge: 2 205 mm
Breite: 765 mm
Höhe: 1 290 mm
Sitzhöhe: 795 mm
Radstand: 1 535 mm
Bodenfreiheit: 130 mm
Gewicht netto: 266 kg
Motor Typ: Air and oil-cooled 1127 cc inline-4, DOHC, 16 valves. 136 hp/ 9,500 rpm, 112 Nm (11,4 kg-m)/ 7,000 rpm.

Weitere technische Daten findest Du hier: http://www.suzukicycles.org/GSX-series/GSX1100F.shtml